Sexismus im Theater

Die AWP Agentinnen Susanne Abelein, Kathrin Reinhardt und Ulrike Willberg antworten

 

1. Ihr habt in festen Engagements an Stadt- und Staatstheatern gearbeitet. In welcher Form habt Ihr Sexismus wahr genommen und erfahren?


Susanne Abelein Z.B. in Form folgender Frage: Warum werden in nahezu jedem meiner Kostüme Brust vergrößernde Dinge angebracht? Was stimmt nicht mit mir?


Kathrin Reinhardt Ich erinnere mich z.B. an die Hexenszene im Faust wo wir uns abmühten - nach den Vorstellungen des Regisseurs - dem bildungsbürgerlichen Publikum eine orgiastische Szene vorzuturnen und vorzustöhnen. Höher, schneller, weiter. War mir peinlich. Aber Schauspielerinnen wollen gefallen, wieder toll besetzt werden. Dafür wurde einiges verlangt und erfüllt - auch wenn es wieder und wieder um veraltete Rollenklischees ging. Zur Belohnung bekamen die Schauspielerinnen ein geringeres Gehalt als ihre Kollegen.

 

Ulrike Willberg Zum einen hatte ich Glück als Regisseurin und Ausstatterin in weniger starken Abhängigkeiten zu sein. Zum anderen war ich genauso Teil der hierarchischen Struktur. Und über mir saßen immer Männer, die das letzte Wort hatten und mich nach Belieben unterstützt oder mir massiv Steine in den Weg gelegt haben.

 


2. Wie sieht es im Vergleich zur freien Szene aus? Seht Ihr Unterschiede zum institutionellen Arbeitsfeld in Bezug auf Sexismus?

 

Susanne Abelein Ich werde gefragt: «Was hast du für eine BH Größe? Ich sage:» 75 A.» «Ok, dann besorge ich dir einen passenden BH.»

 

Kathrin Reinhardt In der freien Szene habe ich die Theaterarbeit als eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe kennengelernt. In allen Bereichen. So bin ich nicht nur als Schauspielerin engagiert, sondern auch für Konzeption, Text usw. mitverantwortlich. Wir agieren als Team.

 

Ulrike Willberg Wir versuchen gleichberechtigt und demokratisch zu arbeiten und uns nicht zu verletzen. Was leider nicht immer gelingt. Die Themen sind dann doch oft sehr nah dran an uns.

 

 

3. Inwiefern seht Ihr in Eurer freien Theaterarbeit den intersektionalen Ansatz berücksichtigt?

 

Susanne Abelein Ich hab schon im letzten Jahrhundert Freies Theater gemacht, aber ein bewusster, ein sensibilisierter Umgang mit Themen wie Klasse, Race, Gender, Herkunft die kommen jetzt erst auf. Und der Umgang damit ist noch sehr wackelig, denn dem Theater, auch dem Freien, fehlen noch viele Vertreter*innen dieser Themen.

 

Kathrin Reinhardt Die Auseinandersetzung und der Umgang mit Ungleichheit in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Gesellschaftsschicht und Herkunft sind der Mittelpunkt unserer Arbeit.


Ulrike Willberg Wir bearbeiten gesellschaftsrelevante Themen. Aber wir dürfen uns nichts vormachen, nicht in allen Bereichen wie Klassismus, Rassismus, Sexismus, Ableismus etc. sind wir Expert*innen. Da stellt sich immer die Frage, wie wir die Themen adäquat bearbeiten können.